Das Festival für wiederentdeckte Musik ist eine Veranstaltung, die sich der Musik widmet, die aus verschiedenen Gründen aus unseren Konzertsälen, unserem Gedächtnis und unserem kulturellen Alltag verschwunden ist. Wir erwecken vergessene Werke, alte Aufführungstraditionen, unbekannte Komponisten und musikalische Welten wieder zum Leben, die jahrelang in Archiven, Manuskripten oder im lokalen Gedächtnis verborgen blieben. Neben den wiederentdeckten Meisterwerken präsentieren wir auch Künstler, die alte Traditionen kreativ weiterentwickeln und ihnen neue Bedeutungen verleihen. Warum gerade in Stettin? Die Geschichte unserer Stadt ist eine Geschichte ständiger Begegnungen, Migrationen und der Vermischung von Kulturen. Hier kann sich jede Musik zu Hause fühlen.
Das Konzert zu Ehren von Otto Manasse, der 1861 in Stettin geboren wurde, präsentiert das Schaffen eines Komponisten, dessen Werk jahrzehntelang fast völlig in Vergessenheit geraten war. Der aus einer jüdischen Familie stammende Stettiner, der eine Ausbildung zum Chemiker absolvierte und den größten Teil seines Lebens in München verbrachte, gehörte zu jener Generation europäischer Juden, deren Schicksal durch den Nationalsozialismus dramatisch unterbrochen wurde. Obwohl Manasse offiziell zum Luthertum konvertierte, wurde er nach 1933 zum Ziel systematischer Verfolgung. 1942 wurde er in das Lager-Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er wenige Monate später starb. Sein Grabort ist unbekannt.
Manasses Schaffen – verwurzelt in der Sprache der späten deutschen Romantik und im Einflussbereich von Max Reger – ist nur dank weniger Manuskripte erhalten geblieben, die den Bombenangriffen auf München im Jahr 1945 entgangen sind. Die Entdeckung dieser Materialien im 21. Jahrhundert ermöglichte die Rekonstruktion eines Teils seines Schaffens und dessen Wiedereinführung in den Konzertbetrieb. Das Konzertprogramm umfasst die beiden wichtigsten vollständig erhaltenen Zyklen. Die Suite für Violoncello und Klavier zeigt Manasse als einen Komponisten, der die große Kammermusikform gekonnt beherrscht. Den zweiten Teil des Programms bildet der Zyklus „Lieder aus dem toskanischen Liederbuch“ nach Texten von Edgar Kurz. Neun kurze Lieder – erhalten in Reinschriften aus der Zeit um 1930 – zeigen Manasse als einen Komponisten, der ein außerordentliches Gespür für das Wort besitzt und es versteht, auf kleinem Raum eine ausdrucksstarke, emotionsgeladene Miniatur zu schaffen.
Anja-Maria Luidl (Deutschland) – Mezzosopran
Tomasz Szczęsny – Cello
Michaela Pühn (Deutschland) – Klavier