Das Festival für wiederentdeckte Musik ist eine Veranstaltung, die sich der Musik widmet, die aus verschiedenen Gründen aus unseren Konzertsälen, unserem Gedächtnis und unserem kulturellen Alltag verschwunden ist. Wir erwecken vergessene Werke, alte Aufführungstraditionen, unbekannte Komponisten und musikalische Welten wieder zum Leben, die jahrelang in Archiven, Manuskripten oder im lokalen Gedächtnis verborgen blieben. Neben den wiederentdeckten Meisterwerken präsentieren wir auch Künstler, die alte Traditionen kreativ weiterentwickeln und ihnen neue Bedeutungen verleihen. Warum gerade in Stettin? Die Geschichte unserer Stadt ist eine Geschichte ständiger Begegnungen, Migrationen und der Vermischung von Kulturen. Hier kann sich jede Musik zu Hause fühlen.
Das Abschlusskonzert des Festivals knüpft an seine acht vorherigen Ausgaben an, in denen wir eine Vielzahl von Werken der geistlichen Musik aufgeführt haben. Der unglaubliche Geist dieser Musik begleitet uns seit dem ersten Konzert im Jahr 2018. Und obwohl sich die Welt um uns herum seitdem fast bis zur Unkenntlichkeit verändert hat, möchten wir an einem Abend im Jahr zu dieser Atmosphäre zurückkehren, die zu unserem Markenzeichen geworden ist.
Das Konzertprogramm umfasst Werke von Kantoren und Komponisten, die an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auf polnischem Boden tätig waren – Schöpfer, deren Musik einst die Synagogen von Warschau, Krakau, Łódź, Białystok, Częstochowa oder dem multiethnischen Lemberg erfüllte. Es war eine Welt intensiven geistigen und künstlerischen Lebens, in der sich Gebet mit romantischem Ausdruck verband und die Stimmen der Kantoren und Solisten einen außergewöhnlichen, facettenreichen Klangraum schufen.
Diese Welt ist fast vollständig verstummt. Die Vernichtung der jüdischen Gemeinschaften unterbrach die Kontinuität der Tradition, und die Musik, die jahrzehntelang die spirituelle Landschaft polnischer Städte prägte, überlebte nur in verstreuten Gesangbüchern, vereinzelten Manuskripten und archivarischen Erwähnungen. Heute hat ihre Rückkehr nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine zutiefst symbolische Dimension – sie ist ein Versuch, denen die Stimme zurückzugeben, denen die Möglichkeit genommen wurde, weiter zu schaffen.
Im Mittelpunkt des Programms stehen Komponisten, die verschiedene Strömungen der polnisch-jüdischen Musikkultur repräsentieren: Abraham Bernstein, Jakub Weiss, Eliezer Goldberg, Abraham Ber Birnbaum, Leo Low und Baruch Kinstler. Ihre Kompositionen – von intimen Gebeten bis hin zu aufwendigen liturgisch-konzerten Formen – zeigen den Reichtum und die Kraft einer Tradition, die jahrzehntelang im Schatten stand.